Samstag, 17. November 2007

Zwei Monate

Heute vor zwei Monaten bin ich nach Irland aufgebrochen und ich finde es ist die richtige Zeit für ein erstes Resümee. Über Irland, einen Auslandsaufenthalt und neue Anfänge.

Jedes Mal wenn man umzieht fängt man quasi wieder bei Null an. Man kennt die Stadt nicht, man weiß nicht wie die neue Wohnung sein wird oder die Gegend in der man lebt und man hat keine Familie, keine Freunde vor Ort die einem Helfen. Das letzte trifft bei mir nur teilweise zu. Immerhin war Rebecca schon hier bis ich herkam was mir den Start sehr erleichtert hat. Dennoch gibt es Momente in denen man unglaubliches Heimweh bekommt. Man vermisst es einfach Freunde anrufen zu können und sich auf einen Kaffee zu treffen. Oder nach Hause zu fahren und die Familie zu sehen. Oder einfach mal wieder ein Wochenende beim Freund zu verbringen. Und manchmal kommt das auch alles zusammen, dass sind die schlimmsten Zeiten.

Aber das sind meistens Gott sei dank nur Phasen und die meiste Zeit hat man gar keine Zeit Heimweh zu haben. Man lernt viele neue Leute kennen, man lernt eine andre Kultur kennen und meistens lernt man auch eine neue Sprache… auch wenn die Iren angeblich Englisch sprechen ist man am Anfang mit dem Starken Akzent doch ein bisschen überfordert. Es passiert auch jetzt noch das irgendwo auf dem Markt jemand etwas zu mir sagt und ich einfach nur denke „What the F***?“. Aber ich habe in Dublin gesagt bekommen dass man mir anhört, dass ich aus Cork komme. Oh Gott, es färbt schon ab O.O!

Und Irisch ist wirklich auch keine Einfache Sprache. Man schreibt einfach nichts so wie man es schreibt. Sehr seltsam. ;) Ein Beispiel: Dhi Dhuit (gesprochen Diuchit). Und das ist noch ein einfaches Beispiel, andre kann ich mir gar nicht merken ;)

Weitere Erkenntnisse: Cork ist die richtige Stadt für mich gewesen. Ich bin mittlerweile froh hier gelandet zu sein und nicht in Dublin. Selbst wenn das Trinity eine Zierde für meinen Lebenslauf wäre, was bringt mir das wenn ich nicht glücklich bin in der Stadt. Und das bin ich die meiste Zeit in Cork. Es ist eine schöne Stadt mit genau der richtigen Größe. Man hat alles was man braucht, aber es ist nicht so übervoll wie Dublin. Und es ist viel sauberer. Auch wenn man Nachts manchmal aufpassen muss dass man nicht in erbrochenes tritt, morgens ist die Stadt blitzblank, bis auf Hundehaufen ab und an.

Nun zu den Iren. Ich muss sagen, es ist doch schwerer Iren kennenzulernen als man denkt. Man landet automatisch in der International Students Community. Das heißt man kennt plötzlich Leute aus ganz vielen Ländern (und vor allem ganz viele Deutsche aus andren Städten) aber kaum wirklich Iren. Bis jetzt sind es fünf. Drei davon durch unsre Photography Society. Zwei wohnen in der WG unter uns. Schon lustig wenn man bedenkt das man in Irland wohnt. Aber ich bin ja auch erst zwei Monate hier. Six to go then.

Aber was man sonst so von den Iren sieht ist schon sehr interessant. Sie sind ein nettes, aufgeschlossenes Volk. Ich hab auch noch nie so nette Busfahrer gesehen wie hier. Die sind so hilfsbereit. Richtig überraschend für mich als Deutsche. Auch wenn man die Leute auf der Straße fragt, sie helfen einem immer. Sie sind einfach ein unglaublich nettes Volk mit dem man schnell ins Gespräch kommt. Und sie haben nicht wie die Engländer ein Problem mit Deutschen. Das ist doch sehr angenehm.

Die Freshers (neulinge) an der Uni sind dennoch etwas gewöhnungsbedürftig. Die sind glaube ich grade mal 18 wenn sie auf die Uni kommen und lassen erstmal richtig die Sau raus. Wenn Mami mal nicht mehr mitkriegt ob man gesoffen hat oder nicht kann man auch nach Hause krabbeln. Und die meisten machen das auch jedes Wochenende und auch sehr häufig unter der Woche (vielleicht fangen die Vorlesungen deshalb frühestens um 9 an). Die Mädels leiden meistens unter gewaltiger Geschmacksverirrung was Klamotten angeht. Je kürzer desto besser, je größer der Ausschnitt, desto besser. Wirklich erstaunlich. Lustigerweise hat Irland ein absolutes Trinkproblem und ein absolutes Problem mit Teenagerschwangerschaften. Woher das nur kommt??? Vielleicht daher das viele junge Mädels hier nach einer gewaltigen Menge Alkohol einfach nicht mehr wissen was sie tun? Passiert, sieht man ziemlich oft. Man sieht auch oft das junge Mädels am Straßenrand liegen und einfach nicht mehr weiter nach Hause kriechen können. Eigentlich traurig.

Die Universität ist auch so ein Fall für sich. Der Standard ist definitiv anders. Ich darf hier als Undergraduate nur sechs Bücher ausleihen. Sechs Bücher O.O? Wie soll man denn da eine Hausarbeit schreiben? Und man kriegt mit 70 % noch einen First Class Honours Degree. Das entspricht anscheinen einer 1+ im Deutschen. Wahnsinn! Und das Studium ist eher leichter als schwerer! Hab ja meine erste Klausur schon geschrieben und gleich mal einen First Class Honours abgesahnt *yay* bin stolz auf mich :D. Bin mal gespannt wie mein erstes Essay war. Das ist immer schwer einzuschätzen.

Ein Fazit vielleicht an dieser Stelle: Irland ist wirklich schön, und ich bereue es nicht gegangen zu sein, aber ich vermisse euch alle! Ich hoffe ihr vermisst mich auch ein bisschen.

Kommentare sind übrigens definitiv erwünscht ;)

Das wars für Heute

Eure Jennifer

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